SPIEGEL ONLINE - SchulSPIEGEL - Zivi oder Bund
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Letzte Aktualisierung: 22.05.2012 03:16:41
- Ende des Zivildienstes: Die Letzten ihrer Art
Ohne Simon Stoll, 20, wäre Herr Hübner ziemlich einsam. Doch der Zivi wird seine Arbeit bald beenden - genau wie alle anderen auch. Altenheime, Krankenhäuser und Kindergärten fürchten die Lücke, die die Zivis hinterlassen. Einblicke in die Welt einer aussterbenden Spezies.
- Nachwuchsmangel bei der Bundeswehr: Freundschaftsanfrage in Flecktarn
Panzer-Poster, Militär-Merchandise, Beachvolleyball: Die Bundeswehr gibt Millionen aus, um Jugendliche für sich zu begeistern. Sie wirbt auf Jugendmessen, an Schulen und im Internet, denn nach dem Wehrpflicht-Stopp werden Rekruten knapp - vor allem die fitten und motivierten.
- Letzte Wehrpflichtige: "Schon als Kind habe ich gern Krieg gespielt"
Sie sind frisch eingerückt und die letzten ihrer Art: Wehrpflichtige bei der Bundeswehr. Für Rekruten im hessischen Stadtallendorf endet die ereignisarme erste Woche mit einem kleinen Waldmarsch. Warum sie nicht verweigert haben? Wegen der schönen Disziplin und Geländespielen mit Gewehr.
- Die letzten Wehrpflichtigen: "Verdammt, ich muss hier raus!"
Helge ist junger Vater und hat Arbeit. Am Montag musste er trotzdem in eine Kaserne der Bundeswehr einrücken, genau wie gut 12.000 andere junge Männer. Helge und seine Kameraden haben das historische Pech, die letzten Wehrdienstpflichtigen zu sein.
- Zivildienst: Mehr Geld für Freiwilligendienste
Das Bundesfamilienministerium plant eine stärkere finanzielle Förderung von Freiwilligendiensten. Nach Informationen des SPIEGEL sollen die 35.000 Stellen des geplanten freiwilligen Zivildienstes mit 300 Millionen Euro aus dem bisherigen Zivildienstetat finanziert werden.
- Totalverweigerung: Aus Überzeugung in die Zelle
Als die Bundeswehr den Rekruten Philipp, 19, einzog, erschien er erst brav in der Kaserne - und verweigerte dann konsequent jeden Befehl. Wieder und wieder landete er im Arrest, insgesamt saß er 40 Tage in der Zelle. Seine Mutter sorgte sich vor allem um seine vegane Ernährung.
- Zivildienst in Japan: Killerwespenlarven zum Abendessen
Enten schlachten, Killerwespenlarven essen, Minustemperaturen ohne Heizung - klingt fast nach TV-Trash á la Dschungelcamp. Doch für Leander Rust, 22, war es der Ersatz für einen normalen Zivildienst, und er leistete ihn auf einem kargen Bauernhof in Japan.
- Als Zivi in Russland: "Behinderte sieht man hier nie"
Menschen mit Behinderung haben es in Russland schwer. Es gibt kaum Betreuung, öffentliche Einrichtungen sind selten rollstuhlgerecht. Sie sind auf die Hilfe ihrer Familien angewiesen - oder auf gemeinnützige Einrichtungen. In einer hat Roman Zitlau seinen Ersatzdienst geleistet.
- Sozialpolitik: Zivildienstleistende sind ersetzbar
Wie wichtig ist der Zivildienst für Deutschland? Kritiker fürchten gravierende Folgen für das Sozialsystem, sollte der Dienst ausgesetzt werden. Doch die Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer sieht nach SPIEGEL-Informationen keine Probleme: Zivis könnten unter anderem durch Freiwillige ersetzt werden.
- Ersatzdienst in Ghana: Im Land der händchenhaltenden Männer
Prügelstrafe an Schulen, geschmackloser Brei als Mahlzeit, Informatikkurse ohne Computer: Für Dorian Lohmann gab es während seines Auslandszivis in Ghana viel, an das er sich gewöhnen musste. Nur mal schnell in ein armes Land, davon hält er nichts. Erst ab einem Jahr bringe der Einsatz etwas.
- Wehrpflicht: Verfassungsrichter mögen nicht entscheiden
Nicht einmal jeder Fünfte muss zum Bund, über die Hälfte der jungen Männer keinerlei Dienst leisten: Ist das gerecht? Kölner Richter halten die Wehrpflicht für verfassungswidrig. Doch das Bundesverfassungsgericht will sich mit der heiklen Frage gar nicht erst befassen.
- Musterungslotterie: Willkür statt Wehrgerechtigkeit
Wie fair geht es bei der Wehrpflicht zu, wenn nur noch jeder zweite junge Deutsche als tauglich gilt? Kölner Richter halten die Einberufungspraxis für verfassungswidrig. Wehrpflicht-Anhänger kontern mit flotten Zahlenspielen - die Lebenswirklichkeit sieht anders aus.
- Wehrpflicht: Kölner Richter halten Einberufungspraxis für verfassungswidrig
Entsprechen die Einberufungen zum Wehrdienst, wie sie heute gehandhabt werden, noch dem Grundgesetz? Das Kölner Verwaltungsgericht sagt: Nein - weil zu viele junge Männer ausgemustert würden, sei die Gerechtigkeit dahin. Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden.
- Musterungslotterie: Keine Willkür, nirgends, nie
Wer früh den Dienst an der Waffe verweigert, wird eher als tauglich eingestuft - dem Vorwurf von Verweigerern widerspricht das Verteidigungsministerium. Im Interview erklärt Staatssekretär Christian Schmidt, warum inzwischen jeder zweite junge Deutsche ausgemustert wird.
- Willkür statt Wehrpflicht: Tauglich aus Gewissensgründen
Benachteiligung beim Wehrdienst, zigtausendfach: Wer schon vor der Musterung verweigert, gilt viel öfter als tauglich - diesen Vorwurf untermauern Kriegsdienstverweigerer nun mit Statistiken. Andere, ebenso gesunde junge Männer werden ausgesiebt, weil sie lang genug taktieren.
- 2,5 Millionen Zivis: Jung, billig, unentbehrlich
Vor Markus Porada haben schon 2.499.999 andere junge Leute in Deutschland ihren Zivildienst absolviert. Jetzt ist der Stuttgarter Abiturient Zivi in einer Jugendherberge. Und über "Drückeberger" schimpft heute niemand mehr - das Klischee ist längst passé.
- Bundeswehr-Roulette: Die Mogelpackung namens Musterung
Jeder Zweite wird ausgemustert, nur jeder Sechste rückt in die Kaserne ein - mit dem Bescheid "untauglich" schickten die Kreiswehrersatzämter im letzten Jahr so viele junge Männer nach Hause wie noch nie. Jetzt fordern Politiker und Verbände, die Wehrpflicht auszusetzen.
- Kein Bund, kein Zivildienst: Alex hat totalverweigert
Er wollte weder Soldat noch Zivi sein. Alexander Hense, 20, hält die Wehrpflicht für ungerecht, willkürlich und verfassungswidrig. Er musste für einige Wochen in den Kasernen-Arrest und dann vor Gericht - jetzt hat er 1350 Euro weniger, aber einen Studienplatz.
- Ab ins Ausland: Zivildienst für Fort-Geschrittene
Gärtnern in Neuseeland, Wolle weben in Israel: Julian und Jimmy absolvieren ihren Ersatzdienst im Ausland und arbeiten mit Behinderten. Sie wollten eine Stelle, die sie weiterbringt. Die Plätze für den "Anderen Dienst" sind rar - nicht jeder Bewerber kommt zum Zug.
- Zivildienst im früheren KZ Auschwitz: "Wie kannst du hier leben?"
Jeder Besucher des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz spürt die Beklemmung. Viele fürchten die direkte Konfrontation mit dem Ort, an dem die Nazis mehr als eine Million Menschen ermordeten. Doch genau hier leistet der 19-jährige Ludwig Elis seinen Zivildienst. Warum?